Wenn Omi und Opi wichtiger sind als Schweini und Poldi
von Andreas WehnerFußball: Vogtländische Vereine hoffen auf WM-Schub und engagierte ÜbungsleiterVon Monty Gräßler
Plauen/Reichenbach. Jens Bienert aus Reichenbach drückt der deutschen Nationalmannschaft bei der heute beginnenden Fußball-Weltmeisterschaft gewissermaßen von Amts wegen die Daumen. Denn der Jugendwart des Vogtländischen Fußball-Verbandes weiß: “Je erfolgreicher unsere Mannschaft spielt, desto mehr kleine Fußballer werden sich über kurz oder lang bei unseren Vereinen anmelden.”
Das Sommermärchen 2006 bei der WM im eigenen Land hat in der Beziehung neue Maßstäbe gesetzt. Übungsleiter allerorten sahen sich plötzlich einer Menge an Interessenten gegenüber. Die Bambini-Mannschaften mit kleinen Schweinis und Poldis in oft viel zu großen Trikots schossen wie Pilze aus dem Boden. Eine Tendenz, die sich auch in den Statistiken auswirkte. Hatte König Fußball als vogtländische Sportart Nummer 1 zwischenzeitlich Mitglieder eingebüßt, so liegt die Zahl der aktiven Kicker längst wieder über der 10.000er Marke.
Jens Bienert hat zwar noch nicht alle Zahlen für den mit der neuen Saison erstmals auf Vogtland weiter Ebene organisierten Punktspielbetrieb zusammen, doch eins ist jetzt schon klar: “In den Kleinfeld-Altersklassen F-, E- und D-Jugend werden wir mit drei oder vier Staffeln spielen, weil es so viele Meldungen gibt.” Zum Vergleich: Die A-Jugend wird im Vogtland mit einer einzigen Staffel auskommen. Auch bei den Allerjüngsten ist die Tendenz positiv: Mehr als 15 Vereine haben ihr Interesse bekundet, ihre G-Jugend - also alles unter 7 Jahre - organisiert spielen zu lassen.
Der Fußball-Boom nach der vergangenen WM hat aber auch Probleme aufgezeigt. In Einzelfällen mussten die Vereine interessierte Jungs oder Mädels wegschicken, weil ganz einfach die Übungsleiter fehlten. Jens Bienert weiß das: “Fast jeder Verein würde sich wünschen, dass sich wieder mehr Fußballer nach dem Ende ihrer aktiven Laufbahn als Übungsleiter für den Nachwuchs engagieren.” In dieser Beziehung gibt es von Gemeinschaft zu Gemeinschaft aber offenbar die unterschiedlichsten Erfahrungen.
Fakt ist dagegen, dass ohne die Fußball-Begeisterung in den Familien der kleinen Fußballer inzwischen viele Vereine aufgeschmissen wären. Angesichts der nach wie vor steigenden Zahl von Spielgemeinschaften, in denen nicht selten die Talente aus drei oder gar vier Orten zusammen trainieren, sind in vielen Mannschaften zum Beispiel die Fahrdienste der Eltern oder Großeltern zum Training oder auch zu den Spielen nicht mehr wegzudenken. Omi und Opi sind so gesehen für den Fußball-Nachwuchs im Vogtland noch wichtiger als Schweini und Poldi.
Freie Presse vom 11.06.2010