2010 16 Mai

Interview mit Lars Albert

von Andreas Wehner

Das Mitglied des Schiedsrichterausschusses und Lehrwart des Kreisverbandes, Marcus Schädlich hat mit dem angesetzten Schiedsrichter des Landespokalfinales, Lars Albert ein Interview geführt.

Herzlichen Glückwunsch zur Ansetzung als Schiedsrichter beim
Pokalendspiel. Wie hast Du von der freudigen Nachricht erfahren?
Lars Albert: Ich habe am Montag vom Schiedsrichterausschuss des
Landesverbandes die Ansetzung erhalten. Man rechnet natürlich nicht
damit, deshalb war ich überrascht. Ich bin natürlich stolz darauf und
werte es auch als Auszeichnung für meine Leistungen in den vergangenen
Jahren. Jetzt freue ich mich auf das Spiel, das ja auch von der
Konstellation her für viel Spannung sorgen wird.

So wird es sicherlich eine Deiner Aufgabe sein, die Emotionen der
Spieler im Zaum zu halten?
Lars Albert: Gerade in einem solchen Derby ist es wichtig, als
Schiedsrichter nicht im Mittelpunkt zu stehen. Deswegen freue ich mich
auch darüber, dass ich mit Jens Stahlmann und Ralf Schinköthe zwei
erfahrene Assistenten an der Seite habe.

Das Spiel findet bereits am Freitag statt. Da bleibt nicht viel Zeit
zur Vorbereitung?
Lars Albert: Eine intensive Vorbereitung ist auch nicht notwendig, da
ich ja genau wie die Spieler im laufenden Spielbetrieb stehe. Aber
sicherlich werde ich den Männertag anders gestalten als wenn ich nicht
eine solche reizvolle Aufgabe vor der Brust hätte. Ich werde mich auf
das Spiel entsprechend einstellen und konzentrieren.

Ein neues Arbeitsfeld hast du dir mit deiner Aufgabe bei RB Leipzig
eröffnet. Wie kam es dazu, dass die Leipziger einen Vogtländer im
Schiedsrichterbereich engagierten?
Lars Albert: Der Kontakt kam zufällig zustande. Es war mir bekannt,
dass RB keine Schiedsrichter im Verein hatte. Ich bin dann mit der
Geschäftsführung des Vereins ins Gespräch gekommen - zuerst
telefonisch, danach in drei ausführlichen Gesprächen in Leipzig. Und
da habe ich gemerkt, dass mir die Aufgabe gefallen würde.

Welche Aufgaben wirst du nun übernehmen?
Lars Albert: Die Geschäftsführung hat deutlich gemacht, dass sie einen
kompetenten Mann mit den nötigen Kontakten für das Schiedsrichterwesen
benötigen, weil der Verein im Grunde genommen bei Null anfängt.
Entscheidend ist es nun, so schnell wie möglich das vom Verband
vorgeschriebene Schiedsrichter-Soll zu erfüllen. Aber nicht um jeden
Preis, denn wir müssen auch ein Auge auf die Auswahl der
Schiedsrichter werfen, da auch die Referees den Verein repräsentieren.
Es sollten also ehrgeizige und zuverlässige Leute sein, die dauerhaft
zum Verein stehen. Zum Aufbau der Schiedsrichter-Abteilung gehören
aber noch weitere Dinge, wie die Betreuung zu den Heimspielen.

Dein neuer Verein hat sich sportlich hohe Ziele gesteckt. Gilt das
Gleiche auch für die Schiedsrichter des Vereins?
Lars Albert: Das ist nicht unsere vordergründige Zielstellung. Ich
wage die Prognose, dass aus heutiger Sicht wohl eher RB Leipzig in der
Bundesliga spielt, als dass ein sächsischer Schiedsrichter in der
ersten Liga pfeift. In Sachsen wäre es mittelfristig erst einmal
wichtig, ein bis zwei Regionalliga-Schiedsrichter mit Drittliga-
Perspektive zu stellen. Alles andere ist derzeit Utopie.

Nun ist RB Leipzig ein junger Verein und einzigartiges Projekt. Merkt
man Unterschiede in der Schiedsrichter-Arbeit?
Lars Albert: Im Verein merke ich, dass das Schiedsrichterwesen nicht
das fünfte Rad am Wagen ist. Wir erhalten eine hervorragende
Unterstützung und werden nicht als notwendiges Übel gesehen. Der
Schiedsrichter wird als Repräsentant des Vereins RB Leipzig betrachtet.

Apropos repräsentieren: Die Fans der so genannten Traditionsvereine
stehen der Idee Rasenballsport Leipzig wenig freundlich gegenüber.
Hast du Bedenken, dass es nun auch zu Anfeindungen gegenüber deiner
Person als Repräsentant des Vereins kommt?
Lars Albert: Das wird sich zeigen, ob es eine Rolle spielen wird. Aber
insgesamt halte ich es für unwahrscheinlich. Und ich kann auch von mir
behaupten, dass ich diesen Schritt aus Überzeugung gegangen bin. Ich
habe mich dafür entschieden, da es im Sinne des Schiedsrichterwesens
ist. Man sollte sich nur einmal vergegenwärtigen, dass auch der
Landesverband an den Zuschauereinnahmen beteiligt ist. Und mit einem
sächsischen Erstligisten hätte der Verband natürlich auch einen ganz
anderen Handlungsspielraum.

Was hat man in deinem alten Verein, Grün-Weiß Tannenbergsthal, zum
Wechsel gesagt?
Lars Albert: Natürlich gab es ein paar Sticheleinen, aber das ist
schon okay. Immerhin habe ich diese Entscheidung aus freien Stücken
getroffen. Durch die Fusion mit Hammerbrücke wird das geforderte
Schiedsrichter-Soll auch ohne mich erfüllt