“Habe mir nichts vorzuwerfen”
von Andreas WehnerFußball: Schiedsrichter Lars Albert über seinen Abstieg aus der Regionalliga
Eine Saison lang hat der Tannenbergsthaler Lars Albert das Vogtland bundesweit als Schiedsrichter repräsentiert. Vor einem Jahr war ihm der Sprung in die Regionalliga geglückt. Nach sieben Spielen mit 35 Gelben, zwei Gelb-Roten und einer Roten Karte steigt er nun wieder in die Oberliga ab. Marcus Schädlich hat sich mit dem 31-Jährigen unterhalten.
Freie Presse: Eine Jahr lang waren Sie in der Regionalliga als Referee unterwegs. Wie fällt Ihr Fazit aus?
Albert: Es war das schönste Jahr als Schiedsrichter und mit vielen neuen und tollen Erlebnissen verbunden. Es war schon einzigartig, im Nürnberger Frankenstadion pfeifen zu dürfen. Das hätte ich mir niemals erträumt.
Freie Presse: Gab es noch weitere besondere Höhepunkte?
Albert: Jedes Spiel war für sich besonders. Eine Idee besser als die Regionalliga-Spiele waren natürlich die Begegnungen, die ich als Assistent in der Dritten Liga bestreiten durfte. In Paderborn vor über 10.000 Zuschauern oder in Braunschweig mit 12.000 Fans im Stadion - das war schon eine tolle Atmosphäre.
Freie Presse: Warum geht es schon nach einem Jahr wieder nach unten in die Oberliga?
Albert: Leistungsmäßig lief es ganz gut. Unter den 60 Regionalliga-Referees bin ich vorn platziert. Der einfache Grund für den Abstieg ist mein Alter. In der Regionalliga wird jetzt ein Generationswechsel eingeläutet und da war ich mit meinen 31 Jahren einfach zu alt, also ohne Perspektive nach weiter oben.
Freie Presse: Das ist doch sicher eine bittere Erfahrung?
Albert: Ein Abstieg ist immer schwer, besonders wenn man sich nichts selbst vorzuwerfen hat. Allerdings kam mein Aufstieg im Vorjahr auch schon unerwartet. Es war eine freudige Überraschung, den Sprung doch einmal zu schaffen.
Freie Presse: Nun müssen Sie in den sauren Apfel beißen und wieder in der Oberliga pfeifen. Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Albert: Ich habe ja selbst als Regionalliga-Schiri Oberliga-Spiele geleitet und weiß, dass die Südstaffel sehr attraktiv ist. Allerdings habe ich nun den Ehrgeiz, mich in der Oberliga ganz oben zu platzieren - auch ohne Aufstiegsperspektiven. Außerdem werde ich auch in der Regionalliga als Assistent zum Einsatz kommen.
Freie Presse: Wie schätzen Sie die Oberliga ein? Wer ist Favorit?
Albert: Erst einmal bin ich froh, dass es wieder losgeht. Rasenball Leipzig ist natürlich Favorit. Ich hoffe aber, dass es lange Zeit spannend bleibt, da RB noch nicht jedes Spiel gewonnen hat. Ich war voriges Wochenende beim ersten Pflichtspiel der Leipziger als Assistent im Einsatz und habe mir alles angeschaut. Es ist schon erstaunlich, über welche Spieler und Bedingungen der Verein verfügt. Dennoch wird sich jede Mannschaft zerreißen, um gegen die Leipziger zu gewinnen.