Schiedsrichterlehrabend der besonderen Art
von Andreas WehnerEinmal abseits des sturen Regelwerkes bewegten sich die Schiedsrichter des Göltzschtalverbandes am vergangenen Freitag. Zum monatlichen Lehrabend der Unparteiischen hatte der Schiedsrichterausschuss den ehemaligen Oberliga-Referee Klaus Peschel zu einem Gastvortrag eingeladen. In einem unterhaltsamen Vortrag berichtete der 68-Jährige über seine Erfahrungen in In- und Ausland.
„Es war hochinteressant für mich als jungen Referee zu erfahren, wie es in den hohen Klassen abläuft”, zeigte sich David Krause, der in der Kreisliga A pfeift, begeistert vom Referat des ehemaligen FIFA-Unparteiischen. Von 1981 bis 1990 stand Peschel auf der FIFA-Liste und absolvierte in dieser Zeit 80 internationale Einsätze. Einige Storys von seinen Einsätzen im Ausland blieben ihm bis heute hängen: „Nordkorea werde ich nie vergessen”, erläuterte die schwierigen Bedingungen, die ihm Ende der 70er Jahre bei einem seiner ersten internationalen Auftritte erwarteten. Mit der Aufnahme auf die FIFA-Liste standen für den Dresdner danach auch Einsätze im westlichen Ausland auf dem Programm. Genau ein solcher Ausflug wäre beinahe auch das Ende seiner Karriere gewesen: Nach einem Spiel zur EM-Endrunde 1984 in Frankreich verpasste das DDR-Schiedsrichtergespann den Flieger zurück in die Heimat. Mit einigen Bedenken im Hinterkopf flog Peschel dann über die BRD nach West-Berlin und von dort aus mit dem Bus zurück in die DDR. Vom Verband wurde dies als Fluchtversuch gedeutet und Peschel von der Liste gestrichen. Doch nicht nur auf dem Rasen bewies er Standfähigkeit: Durch eine Eingabe an Egon Krenz wurde alles zum Guten geregelt. „Das war sicher eine der bitteren Stunden, die ich durchgemacht habe. Aber die vergisst man durch die Guten”, blickte Peschel auf seine Karriere zurück, die 1964 mit dem Ablegen der Schiedsichter-Prüfung begonnen hatte. Damals hätte er wohl mit keiner Silbe geahnt, dass er 26 Jahre später seinen internationalen Höhepunkt auf eine persönliche Einladung hin beim Länderspiel England gegen Brasilien im Wembley-Stadion erleben würde. „Das war schon eine tolle Atmosphäre”, schwärmte Peschel vom englischen Fußballtempel. Den Spielball bewahrt er bis heute noch zu Hause auf. Trotz der vielen Auslandsreisen habe Peschel auch nie daran gedacht in den Westen zu fliehen. „Meine Frau und ich haben gut verdient, sodass wir auch in der DDR ganz leben konnten. Zudem wäre die Unsicherheit im Westen nichts für mich gewesen”, bestätigte die Schiri-Legende.
Denn auch national kam Peschel auf die stolze Zahl von 180 Einsätze in der Oberliga. „Das war doch etwas anderes als die DDR-Liga. Durch den psychische Druck von außen durch die vielen Zuschauer und der anspruchsvollere Fußball habe ich einige Zeit benötigt, um mich an die Liga zu gewöhnen.” Gerade hierbei sieht er die Fehler, die heutzutage bei der Schiedsrichterförderung passieren: Die zu starke Fixierung auf das Alter lässt die Leistung zweitrangig erscheinen. „Man baut über Jahre hinweg Schiris auf und wenn man dann die starken herausgefunden hat, dann sagt man denen, sie seien zu alt.” Deshalb gab er den jungen Unparteiischen auf den Weg: „Wer nach oben will, der sollte schon pfeifen können und dazu ein bisschen Glück haben.”