“Jedes Spiel ist eine neue Herausforderung”
von Andreas WehnerFußball: Severine Rossow aus Schreiersgrün ist fast an jedem Wochenende als Schiedsrichterin im Einsatz
Schreiersgrün. Die Fußballer im Göltzschtal tanzen immer öfter nach der Pfeife einer 16-Jährigen. Severine Rossow aus Schreiersgrün ist unter 128 aktiven Schiedsrichtern im Kreisverband das einzige Mädchen in ihrem Alter und offenbar ein echtes Talent.
“Severine ist auf einem guten Weg, in den kommenden Jahren einen großen Schritt in das Oberhaus des Fußballs zu machen”, sagt Michael Böhm, Bezirksschiedsrichter und Schiedsrichterbeobachter, der selbst schon oft mit der Gymnasiastin im Schiedsrichterkollektiv unterwegs war.
Bei diversen Einladungen zu Fortbildungsseminaren auf Bezirks- und Landesebene nutzte die Schreiersgrünerin die Chance, sich zu schulen und natürlich ebenso auch dem Deutschen Fußball Bund (DFB) zu präsentieren. “Im Herbst hat mich der sächsische Fußballverband zu einer Weiterbildung nach Leipzig in die Sportschule Egidius Braun eingeladen”, berichtet sie stolz. “Dort erwartete mich nicht nur ein Regeltest, sondern auch ein schwerer sportlicher Test. Ich würde mich freuen, irgendwann entdeckt zu werden und auf höherer Ebene pfeifen zu dürfen”, erzählt die junge Frau strahlend.
Auf die Idee, den Schiedsrichterlehrgang zu absolvieren, wurde Severine Rossow von einem Bekannten gebracht, der ebenfalls Schiedsrichter im Kreisverband ist. “Ich fand die Idee anfangs etwas lustig, habe aber schnell gemerkt, dass er es ernst meint”, kann sich die Schülerin noch erinnern. So entschied sie sich im Winter 2008, gemeinsam mit ihrem zwei Jahre älteren Bruder Patrick Rossow, eine “Karriere” als Schiedsrichter zu starten.
Seither tanzen nicht nur Frauen auf Bezirksebene nach ihrer Pfeife. Auch die Männer auf Kreisebene müssen sich der Schreiersgrünerin fügen. “Jedes Spiel ist für mich eine neue Herausforderung, das bestätigt mir mein Lampenfieber. Aber man sammelt Erfahrungen und tankt viel Selbstvertrauen, wenn man auf dem Spielfeld steht und mutig in die Pfeife bläst”, erklärt Severine Rossow, die derzeit die zehnte Klasse des Pestalozzi-Gymnasiums in Rodewisch besucht.
Inzwischen ist sie fast jedes Wochenende auf anderen Fußballplätzen zu finden. “Oftmals pfeife ich Samstag Männer in den Kreisklassen und -ligen und am Sonntag die Meisterschaftsspiele der Frauen im Bezirk - und das, denke ich mal, nicht gerade schlecht. Das zeigen die jüngsten Einladungen”, sagt die Unparteiische, die auch noch Mitglied beim Treuener Leichtathletik Verein (TLV) ist. Natürlich bleiben dem jungen Mädchen so manche Spiele im Kopf, an die sie sich gerne oder auch weniger gerne erinnert.
“Mein schönstes Spiel war bislang das Halbfinale im Sachsenpokal der Frauen zwischen dem FC Erzgebirge Aue und dem Leipziger FC 07 (1:2), bei dem ich an der Seitenlinie assistieren durfte”, erzählt sie stolz. Natürlich gab es auch weniger schöne Momente. Zum einen, wenn sie selbst mit ihrer Leistung nicht zufrieden war und zum anderen, wenn sie von Zuschauern beschimpft wurde. (pat)